Paukenschlag für den Frieden

Orchester, Chor, Leinwand: Hier vermischen sich die Eindrücke

Dicht an dicht stehen jugendliche Sängerinnen und Sänger in der Nikolaikirche Rostock und singen die Werke aus einer der wichtigsten Kompositionen für den Frieden. Dazu herzzerreißende Bilder aus 2.000 Jahren Krieg. Vor 67 Jahren endete der Zweite Weltkrieg und Rostock war kaum wiederzuerkennen.

Auch die Nikolaikirche blieb nicht verschont und ihr Wiederaufbau dauerte bis in die 90er Jahre hinein. Die Jakobikirche konnte der Zerstörung nicht standhalten und ihr letztes Gesicht wurde 1959 gesprengt. Aus den Resten entstand später die Johanniskirche im Barnstorfer Wald, wo auch der Choralchor der St.-Johannis-Kantorei heute seine Proben hat. Eben dieser Chor mit all den jungen und hoffnungsvollen Stimmen singt die Friedenskomposition gemeinsam mit der Jugendkantorei der Braunschweiger Domsingschule. Diese Stimmgewalt und junge Dynamik verbindet sich mit dem Klang des Staatsorchesters Braunschweig zu „The Armed Man – A Mass for Peace“.

Geschrieben wurde der bewaffnete Mann von Karl Jenkins zur Jahrtausendwende (2000). Statt das Jubiläum zu feiern, widmete Jenkis sein Werk den aktuellen Konflikten im Kosovo. Das Gesamtkunstwerk baut sich wie ein Film auf, von der Bewaffnung, über die zornigen Flammen bis hin zur Totenstille. Die Stücke sind logisch inszeniert von einem der wichtigsten zeitgenössischen Filmkomponisten.

Historisch das Gebäude, zeitlos das Werk von Karl Jenkins

So gibt es auch eine Videoprojektion zum Konzert in der Nikolaikirche. Sie zeigt fast dokumentarisch und unzensiert das Grauen. Zu sehen ist nicht nur Kosovo oder der Zweite Weltkrieg. Nein, es reihen sich die Bilder der Führer und Auseinandersetzungen bis in die Gegenwart. Gemischt sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Pferden und Lanzen mit hochmodernen Flugzeugträgern und farbigen Bildern des 11. September. Es verschwimmen die Eindrücke, die Informationen verkommen zu einem Brei aus Schmerz. Was bleibt ist eine Konstante der Menschheit: Krieg.

Nach dem Friedensgebet aus den Suren, das Dr. Hikmat Al Sabty mit voller Authentizität vorträgt, ertönt im Anschluss die Kyrie: „Herr, erbarme dich, …“. Hier treffen alle Kulturen aufeinander, aber alles passt zusammen. Denn über eines scheinen sich die Kulturen einig: Krieg. Jenkins erschafft eine interkulturelle Komposition vom ersten bis zum vierzehnten Titel. Auf CD beeindruckend zu hören, aber live und unter der großartigen Leitung von Markus Johannes Langer ein unvergesslicher Paukenschlag für den Frieden – in einer Kirche, die ihr heutiges Dasein diesem Frieden verdankt.