Kulturstandort Rostock: Eine Bestandsaufnahme

Steffen Dürre zur Kultur in Rostock

Pünktlich zur Diskussion über den Kulturstandort Rostock, befragten wir Vertreter verschiedener Institutionen. Was läuft gut, wo sind die Baustellen? Welche Perspektiven gibt es und was sind die Wünsche für die Zukunft?

Starten wir mit etwas Gutem: Peter Leonard, der Intendant des Volkstheater Rostock lobt das treue Publikum. Steffen Dürre von der Literatur-Zeitschrift Weisz auf Schwarz betont das innovative Wirken der jungen Generation. Urs Blaser von der Stubnitz meint, Rostock habe das größte Potenzial für ein vielfältiges Kulturangebot in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Er ist zudem der Meinung, dass sich die Angebote der kulturellen Bildung recht gut entwickelt haben, wie zum Beispiel die hmt, das Tanzland und auch die lokalen Medien rok-tv und LOHRO. Caroline Heinzel vom Allgemeinen Studierendenausschuss, zuständig für den Bereich Kultur, ist begeistert vom Angebot der Kunsthalle, welche durch ihr Programm und die verschiedenen Ausstellungen eine Bereicherung für die Hansestadt darstellt. Ralph Kirsten von LOHRO bemerkt, dass die Entwicklung in der Rostocker Kulturlandschaft noch nicht abgeschlossen ist. Man habe nicht das Gefühl, als könne sich hier nichts mehr entwickeln.

Doch wo sind die Baustellen im kulturellen Bereich? Vielfach nennen die Vertreter die mangelnde Vernetzung der Kulturträger. Man müsse vor allem aus den eigenen Dunstkreisen ausbrechen, sagt Caroline Heinzel. Die Stadt hat kein kulturelles Profil, meint Ralph Kirsten. Gründe hierfür sieht er vor allem darin, das sich Rostock noch im Transformationsprozess von einer Industriestadt zu einer Wissensstadt befindet. Daniel Karstädt, welcher zwei mal im Jahr die Kulturwoche veranstaltet, bemängelt die schlechte Vermarktung der kulturellen Veranstaltungen. Urs Blaser kritisiert die mangelnde Qualitätssicherung auch im Bereich des Kulturetats der Hansestadt Rostock. Was mit dem Budget passiert, sei zu wenig, so Blaser. Peter Leonard sieht eine positive Entwicklung und meint, dass nicht nur ein Theater-Neubau, sondern auch andere Projekte jetzt auf die politische Agenda kommen müssen. Steffen Dürre wünscht sich vor allem keinen Kultur-Pessimismus. Es fehle oft an Innovationen, an Esprit und vor allem: An Substanz!

Für die Zukunft wünscht sich Ralph Kirsten vor allem Einrichtungen mit Strahlkraft. Caroline Heinzel wünscht sich eine Öffnung der Clubs für kulturelle Angebote. Steffen Dürre hofft auf eine bessere Zusammenarbeit, eine bessere Vernetzung und einen guten Willen. Urs Blaser wünscht sich eine gerechtere Verteilung der öffentlichen Kulturförderung. Daniel Karstädt wünscht sich vor allem, dass auch die Bürger mehr „wahrnehmen“.