In Transition: Frieda wandelt durch die KTV

Noch ist der Lolli nicht enthüllt vor der Frieda 23

Ein gelungener Abend war das gestern, mit Live-Musik, Auktion, Feuershow, 3D-Projektion, Flohmarkt, Schaufenster-Performance, Kinopremiere, Hörinstallation, und vielem mehr … Grund für das Spektakel ist der Umbau der alten Plattenschule in der Friedrichstraße 23 (kurz: Frieda 23).

Es entsteht dort bis Januar 2014 die neue Kunst- und Medienschule, in der dann die Kunst.Schule.Rostock., das Institut für neue Medien, das Lokalradio Rostock (LOHRO) und das Kino Lichtspieltheater Wundervoll (Li.Wu.) ihren Platz finden werden. Sie alle sind während der Bauarbeiten in verschiedenen Behausungen innerhalb der Kröpeliner-Tor-Vorstadt verteilt, im Übergang also (Englisch: in transition). Start der gestrigen Auftaktveranstaltung war die Einweihung des Windartobjektes „In Transition“, das aussieht wie ein überdimensionierter Lolli, dessen Kopf sich dreht. In den 90ern gab es von der Firma „Chupa Chups“ den „Turbo Space Leck“. In das kleine Drehgerät brauchte man nur seinen Lolli stecken und das Lecken ging von ganz allein. Frappierend.

Nachdem das Tuch vom Lolli gezogen war und allerhand wichtige Worte vielen, fand unter der Leitung von Dr. Moschner eine Versteigerung statt. Er hatte die Auktion recht unterhaltsam gestaltet, bis auf das Hartz-4-Gelaber, dass sein Publikum regelmäßig zu armen Schluckern degradierte, die sich den Schund ja sowieso nicht leisten könnten. Als alles unter’m Hammer war, zerstreute sich das Publikum in viele Richtungen. Einige waren ganz aufgeregt, weil Alin Coen im Zwischenbau angekündigt war.

Ich selbst besuchte das Interimsquartier vom Institut für neue Medien in der Budapester Straße 16. Dort ballerten die Sideburns, eine Rockabilly-Legende aus Rostock, das ehemaligen Bürgerhaus auseinander. Bis tief in den Hinterhof konnte man den akustischen Ohrenschmaus genießen. Der Flohmarkt mit seltenen Filmplakaten und besonderen Besonderheiten lockte Käufer und in den Ecken des Hofes verteilten sich Gespräche. Dann wurde es plötzlich leer. Etliche Filmfreunde machten sich auf den Weg zum Li.Wu., um die Kurzfilmpremiere nicht zu verpassen. Schon einmal in der Hochschule für Musik und Theater angedeutet, wurde der Film „Filomena“ nun in voller Länge gezeigt. Grund für die Verzögerung: Der Drehort, das Zirkuszelt Fantasia, war plötzlich abgereist.

So komisch wie die Story dahinter, war auch der Film selbst. Zahlreiche Lacher zogen durch das Publikum. Schrille Szenen mit wenigen, aber recht authentischen Schauspielern, die ohne viel Tamtam echte Gefühle auf die Leinwand zauberten. Höhenangst, Selbstfindung, Liebe, Kontrolle und Absturz, Reue, Wut, Hass und Gewalt, Humor, Faxen, … Holger Löwe zeigt mit Filomena, was in einem Kurzfilm alles möglich ist. Der Film selbst nimmt sich immer wieder zurück und selbst nicht so ernst. Dennoch ist das Ende ein durchaus ernstzunehmendes Schlüsselerlebnis der Filomena.

Im Anschluss gab es eine Doku zum Lolli und einer übergroßen Nasenborerhand der Kunstgruppe Schaum. Die Jury fand den Finger gut und so wurde Rostocks erhobener Zeigefinger in Schweden platziert, um dort die Windrichtung zu ermitteln oder aber jugendliche Bierflaschen des Nachts zum Klettern zu animieren. Interessant fand ich vor allem, wie das Kunstobjekt hergestellt wurde. Holger Stark, Galerist der Wolkenbank und Jurymitglied fand im Interview die richtigen Worte zur Ausschreibung und den Kunstwerken.

Zu guter letzt wanderte der Kulturmob zurück zur Frieda, um dort die Licht- und Feuershow bewundern zu können. Nach einer One Man Feuershow startete die 3D-Projektion. Dieses sogenannte 3D-Projection-Mapping war wohl das erste seiner Art in Rostock. Highlight der Projektion war der virtuelle Abriss: Auf dem Teil der Frieda der abgerissen wird, wurden Abrissbirnen sichtbar, die schließlich das Gebäude zum Einsturz brachten. Visuell fand das Transition-Event so seinen fulminanten Abschluss.

Hier noch ein kleiner Mittschnitt via Handy von der Projektion:

Kunstschule „im Wandel“ – DAS IST ROSTOCK.DE über den Baubeginn der Frieda 23