„… und raus bist du“

Das Stück „… und raus bist du“ ist nichts für schwache Nerven

Der blonde Mann mit den blauen Augen. Der Mann, der kein Gewissen besitzt. Der Mann namens Anders Breivik, der am 22. Juli 2011 69 Menschen auf der norwegischen Insel Utøya erschoss. Die ganze Welt blickt auf ihn – und wer kümmert sich um diejenigen, die diese Grausamkeit überlebten und nun mit all den blutigen Bildern fertig werden müssen? Sensationsgeile Reporter, Kamerateams und Jorunalisten.

Wie „das Leben danach“ hinter der Kamera tatsächlich aussieht oder aussehen könnte, versucht die Freie Theater Jugend (FTJ) in ihrem neuesten Stück „… und raus bist du“ darzustellen. Wie immer unter der Leitung von Christof Lange, der auch Autor und Regisseur ist, zeigen sieben Jugendliche im Peter-Weiss-Haus verschiedene Lebenssituationen und verschiedene Arten, mit den Konsequenzen klarzukommen. Da wären zwei Schwestern (Nele Engel und Jenny Kretschmann), ein Glückskind (Donella ‘Iida’ Mickel), eine Schwangere (Lucy Alison Lauer), ein Nachahmungstäter (Hagen Walter) und ein Paar (Katharina Rose und Artur Büttner).
Die FTJ liefert hierbei aber keine vollständigen Geschichten. Eher kleine Fetzen. Kleine Anstöße zur individuellen Beantwortung der Frage nach dem Umgang mit solch schwarzen Ereignissen. Das Glückskind hat aufgrund eines Organs von einem Opfer überlebt – muss es sich nun schuldig fühlen? Der Nachahmungstäter versucht, sich zu erklären, wie jemand es fertig bringen kann, derart viele Menchen auf so herzlose Art und Weise umzubringen – indem er sich selbst in die Rolle des Täters begibt. Die Liebenden beginnen, sich nicht mehr zu lieben – aber vereint sie nicht das gemeinsame Erlebnis?

Eindrucksvolle Szenen im Stück „… und raus bist du“

Es ist ein schweres Thema, welches die FTJ sich da ausgesucht hat, keine Frage. Meiner Meinung nach wurde ein gutes Maß gefunden, die Emotionen der Überlebenden darzustellen und den Zuschauer mitfühlen zu lassen. Das Einzige, was mich stört, ist die Tatsache, dass die Schauspieler dem Publikum leider beinahe jeden zweiten Satz ins Gesicht schreien. Der Beifall wurde am Ende jedoch immer intensiver. Viele mussten durch das Klatschen sicher erstmal aus dem Trance-Zustand erwachen und waren doch sehr begeistert. Insgesamt ist die Produktion auf jeden Fall sehenswert, aber nichts für schwache Nerven.

Ticketpreise: 5€ ermäßigt / 8€ regulär
abzuholen an der Abendkasse (öffnet 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn)

Nächste Vorstellungen (jeweils um 19 Uhr im Peter-Weiss-Haus):
2. Oktober 2012 (DI)
1. Dezember 2012 (SA)
2. Dezember 2012 (SO)
4. Januar 2013 (FR)
10. Februar 2013 (SO)
27. März 2013 (MI)
3. April 2013 (MI)
21. Mai 2013 (DI)
9. Juni 2013 (SO)

Quelle der Fotos: www.rostock-heute.de