„Willkommen auf Deutsch“

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Zwischen der Lüneburger Heide und Hamburg liegt der Landkreis Harburg. In ihm leben 240.000 Einwohner inmitten schöner Backsteinhäuser und weiter Felder. Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, doch der Schein trügt. Wie in so vielen Städten und Gemeinden sollen hier Asylbewerber untergebracht werden. In der Gemeinde Appel beispielsweise ganze 53. Was passiert, wenn Menschen aufeinander treffen, die sich fremder nicht sein könnten, zeigt der Dokumentarfilm „Willkommen auf Deutsch“. Eltern sorgen sich um das Wohl ihrer Kinder, Nachbarn um den Verkaufswert ihrer Grundstücke und Asylbewerber um ihr Verbleiben. Wir haben uns den Film im Li.Wu angeschaut und waren beim anschließenden Filmgespräch dabei.

Anhand der Gemeinden Appel und Tespe zeigt der Dokumentarfilm sämtliche Perspektiven der Betroffenen auf. Beide Gemeinden stehen stellvertretend für 82 Millionen Deutsche. Sachlich werden die Ansichten der Befürworter und der Gegner gezeigt. Offen und unvoreingenommen wird sich allen dargestellten Personen und ihren Standpunkten genähert. So begegnen wir gleichermaßen Hartmut Prahm und seiner Bürgerinitiative gegen die Aufnahme von Flüchtlingen und der sechs-köpfigen Flüchtlingsfamilie aus Tschetschenien. Besonders interessant sind die Ansichten der Asylbewerber selbst. Der Film amüsiert uns auf der einen Seite. Auf der anderen Seite bewegt er uns. Zwischen Mitgefühl, Wut und Fremdschämen fühlt das Publikum so ziemlich alles.

Im anschließenden Filmgespräch mit dem Regisseur Hauke Wendler, Ulrike Wantischke vom Ökohaus Rostock und Flüchtlingsrat MV und Eyad Alabsi, einem Flüchtling aus Syrien, wird der Film diskutiert. Das Publikum hält sich nicht zurück. Unverständlich scheint es für viele, wie eine Gemeinde so abwertend gegenüber ankommender Flüchtlinge reagieren kann. Hauke Wendler beschwichtigt und weist daraufhin, dass dies Alltag in Deutschland sei. Die Gemeinde Appel fungiert im Endeffekt sogar als Vorbild. Sie hat sich umstimmen lassen, sich auf einige der Flüchtlinge eingelassen und diese wohlwollend integriert. Genau solche Menschen will der Regisseur mit seinem Film erreichen. Was bringt es nur Menschen anzusprechen, die so oder so schon Interesse am Thema haben? Hauke Wendler möchte mit seinem Film erreichen, dass sich mehr Menschen mit dem Thema auseinandersetzen. Es muss vermehrt darüber gesprochen werden. 

Ulrike Wantischke informierte das Publikum über die derzeitige Situation in Rostock. Eyad Alabsi vermittelte uns seine Geschichte. Insgesamt war der gestrige Abend ein Abend voller Perspektiven und Diskussionsstoff. Wir empfehlen den Film weiter, da es kaum ein aktuelleres Thema in Deutschland gibt. Er hilft uns die Perspektiven aller zu erkennen und gemeinsam über die Problematik zu sprechen.